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Ulrich Schödlbauer: Kontur der Schwester

JULIAN DER TRANSVESTIT

JUDY mit weit offenen Augen.
Diese Schultern. Gleiche Rundung, gleicher Ausdruck. Etwas ist anders, ein bisschen vielleicht, aber man muss immer Abstriche machen.

PARERGA
Sage mir jetzt, wie du dich gefühlt hast, als du sie noch nicht kanntest. Sie ist da, ich hoffe, das ist dir bewusst. Ihr könntet zusammen ins Kino gehen, aber das hier ist dichter. Judy Judy, du lebst! Du lebst wirklich, ich spüre es bis in die Haarspitzen.

JUDY
Was soll ich sagen? Wirklich, ich empfinde den Wunsch, ins Kino zu gehen und danach ein Bierchen zu trinken. Unter Leute! Kommt.

Julian verändert die Pose.
Judy hebt die Hände, zieht sie zurück, sieht sie an.

PARERGA
Wenn das das Glück ist, dann brauchst du kein anderes. Du brauchst auch keinen Schatten, denn das wäre ja ein anderer. Ein anderes Glück, ein anderes Unglück. Ihr müsst nur schnell sein, ein Akt dauert nicht ewig und was da zur Sprache drängt, ist nicht wenig. - Zur Sprache. Wohin denn sonst.

JUDITH
Wenn ich recht höre, gibt es jetzt ein Zusammentreffen der Herzen. Das dauert mich, aber es erregt mich auch. Unser Herzchen hier wird sich anstrengen müssen, wenn der Hektiker sein Hausrecht reklamiert. Falls er nicht in die Knie sinkt vor dem weiblichen Element.

PARERGA
So läuft das nicht. Danke, Judith, für deinen Fernsinn: auseinander, Kinder. Hosni kommt, es gibt was zu feiern. Das wollen wir nicht verderben.

Julian ab.